«Ich glaube dran»: Kerber im Halbfinale der US Open

Angelique Kerber hat sich klar gegen die Italienerin Roberta Vinci durchgesetzt. Foto: Andrew Gombert
Angelique Kerber hat sich klar gegen die Italienerin Roberta Vinci durchgesetzt. Foto: Andrew Gombert

Ein kurzes Lächeln, ein stolzer Blick zur Mama auf der Tribüne und eine Kusshand für die Fans: Nach einer weiteren Demonstration der Stärke und des Selbstvertrauens hat Angelique Kerber ohne Satzverlust das Halbfinale der US Open erreicht. Gegen die Vorjahresfinalistin Roberta Vinci setzte sich die 28 Jahre alte Linkshänderin aus Kiel am Dienstag mit 7:5, 6:0 durch und steht zum dritten Mal in diesem Jahr bei einem Grand-Slam-Turnier unter den besten Vier. Nach 78 Minuten auf dem Center Court nutzte die Australian-Open-Siegerin ihren zweiten Matchball.

 

«Ich habe versucht, positiv zu bleiben, als es im ersten Satz noch nicht so gut gelaufen ist», sagte Kerber fünf Jahre nach ihrem überraschenden Halbfinal-Einzug in New York. Damals startete sie ihren Weg in die internationale Premiumklasse, den sie nun mit Platz eins der Weltrangliste krönen kann. «Es ist einiges passiert in den Jahren. Ich bin eine komplett andere Spielerin als damals. Ich habe viel mehr Selbstvertrauen, glaube dran und habe Spaß», sagte Kerber.

 

Im Kampf um den Einzug ins Endspiel trifft die Weltranglisten-Zweite am Donnerstag auf die Dänin Caroline Wozniacki. Die 26-Jährige gewann ihr Viertelfinale gegen die angeschlagene Anastasija Sevastova aus Lettland 6:1, 6:2. Sollte Kerber am Samstag im Finale triumphieren, würde sie definitiv Serena Williams als Weltranglisten-Erste ablösen.

 

Sollte Williams nicht das Endspiel erreichen, würde Kerber auch ohne Finaleinzug zur neuen Nummer eins aufsteigen. Die 34 Jahre alte Amerikanerin bestreitet ihr Viertelfinale am Mittwoch (1.00 Uhr MESZ in der Nacht zu Donnerstag) gegen die Rumänin Simona Halep.

 

«Ich habe gelernt, nicht zu weit vorauszuschauen. Es ist egal, ob ich erste Runde oder Viertel- oder Halbfinale spiele», sagte Kerber nach ihrem Sieg gegen den Williams-Schreck des vergangenen Jahres. Die 33-Jährige aus dem italienischen Taranto hatte 2015 im Halbfinale überraschend Williams aus dem Turnier geworfen und die Chance der Amerikanerin auf vier Grand-Slam-Siege in einem Jahr zerstört.

 

Im ersten Match des Tages entwickelte sich im Arthur-Ashe-Stadium anfangs genau das zähe Match, das Kerber erwartet hatte. Im ersten Durchgang hatten beide Spielerinnen große Probleme mit ihrem Aufschlag. Die nach Serena Williams zweitälteste im Hauptfeld verbliebene Spielerin nahm Kerber gleich den ersten Service ab, die Norddeutsche konterte mit einem Re-Break. Bis zum 5:5 ging es hin und her, Vinci brachte Kerber mit ihren Slices mitunter zur Verzweiflung.

 

«Ich habe versucht, gelassen zu bleiben, wenn es eng wurde. Das war der Schlüssel im ersten Satz», sagte Kerber. Mit einem lauten «Komm jetzt» feierte sie den Punkt zum 6:5. Nach 54 Minuten unterlief Vinci ein Fußfehler, Kerber entschied den Satz für sich. Vinci reckte den Daumen in die Höhe und applaudierte ironisch dem Linienrichter.

 

Im zweiten Satz wurde Kerber immer stärker und ließ keine Zweifel an ihrem zweiten Halbfinal-Einzug bei den US Open nach 2011 aufkommen. Nur noch 24 Minuten dauerte Durchgang zwei. «Ich schaue nur auf mich, alles andere kommt Schritt für Schritt», sagte Kerber mit leiser Stimme in die TV-Kamera, als sie um kurz nach zwölf Uhr mittags (Ortszeit) das größte Tennisstadion der Welt betrat. Bis zum zweiten Grand-Slam-Titel und der Nummer eins sind es nur noch zwei Schritte. (DPA)