Belgien ruft höchste Terrorwarnstufe für Brüssel aus

Polizisten sperren in der Nähe des EU-Parlaments in Brüssel eine Straße. Foto: Laurent Dubrule
Polizisten sperren in der Nähe des EU-Parlaments in Brüssel eine Straße. Foto: Laurent Dubrule

In Belgien gilt in der Hauptstadtregion Brüssel ab sofort die höchste Terrorwarnstufe. Die Behörden begründeten den Schritt in der Nacht zu Samstag mit einer «ernsten und unmittelbaren» Bedrohung. Die Ermittlungen nach den Anschlägen in der französischen Hauptstadt Paris vor einer Woche hatten Verbindungen der Täter nach Brüssel ergeben. Auch Frankreich und Europa treiben ihre Sicherheitsmaßnahmen gegen den Terror des Islamischen Staats (IS) voran. Im westafrikanischen Mali wurden derweil bei einem Angriff auf ein Luxushotel zahlreiche Menschen getötet.

In der Hauptstadtregion Brüssel gilt fortan die Sicherheitsstufe 4, wie das nationale Krisenzentrum in Belgien in der Nacht mitteilte. Den Bewohnern der Region wurde empfohlen, größere Menschenansammlungen zu meiden. Der Maßnahme vorangegangen sei eine «neue Beurteilung» der Lage. Details wurden zunächst nicht bekannt.


Nach den Pariser Anschlägen, zu denen sich der IS bekannte, hatte Belgien die Warnstufe auf den Wert 3 angehoben - die Skala hat 4 Stufen. Der Wert 3 gilt den Angaben aus der Nacht zufolge weiterhin für den Rest des Landes. Dies entspricht einer «möglichen und wahrscheinlichen» Bedrohung.


Die EU-Staaten reagieren auf die Terrorserie in der französischen Hauptstadt mit einer Verschärfung der Kontrollen an ihren Außengrenzen. Nun sollen auch wieder EU-Bürger bei der Ein- und Ausreise polizeilich überprüft werden. Darauf verständigten sich die Innen- und Justizminister in Brüssel.


In Paris stimmte der französische Senat, die zweite Kammer des Parlaments, am Abend einstimmig der Verlängerung des Ausnahmezustands um drei Monate zu. Erweiterte Befugnisse der Sicherheitsbehörden bleiben damit in Frankreich bis in den Februar hinein in Kraft.


Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am kommenden Mittwoch den französischen Präsidenten François Hollande in Paris treffen. Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» wollen Merkel und Hollande den gemeinsamen Kurs im Kampf gegen den IS abstimmen. Der UN-Sicherheitsrat forderte in New York alle Mitglieder der Vereinten Nationen zu mehr Anstrengungen im Anti-IS-Kampf auf.


Das erste Spiel der Fußballbundesliga nach der kurzfristigen Absage der Begegnung Deutschland gegen die Niederlande wegen Terroralarms am Dienstag in Hannover verlief derweil ohne Zwischenfälle. Begleitet von scharfen Sicherheitsvorkehrungen endete die Partie zwischen dem Hamburger SV und Borussia Dortmund am Freitagabend mit 3:1. Dem ersten Bundesliga-Wochenende nach den Pariser Anschlägen sahen viele Fans und Vereine mit einem mulmigen Gefühl entgegen. An vielen Stadien könnte es auch am Samstag und Sonntag wegen strengerer Einlasskontrollen zu längeren Wartezeiten an den Eingängen kommen.


Islamisten hatten in Malis Hauptstadt Bamako ein Luxushotel überfallen und zeitweise bis zu 170 Menschen in ihre Gewalt gebracht. Sicherheitskräfte stürmten das Hotel und beendeten die Geiselnahme. Wie viele Menschen und Attentäter ums Leben kamen, war am Morgen noch unklar. Ein Sprecher der UN-Mission in Mali sprach von 21 Toten und drei Schwerverletzten. In dem Hotel waren auch vier Deutsche, die alle unversehrt seien, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier während eines Besuchs in Sambia.


Frankreich will eine Spezialeinheit der Streitkräfte nach Bamako entsenden. In Mali hatten Islamisten und separatistische Tuareg große Gebiete im Norden erobert, bevor sie 2013 mit Hilfe französischer Truppen zurückgedrängt wurden. Deutschland ist nach Steinmeiers Worten nach wie vor an der Seite Frankreichs zu einer Ausweitung seines Engagements in Mali bereit. Dies stößt auf Kritik bei den Grünen.


Die Polizei in Paris identifizierte derweil einen weiteren Selbstmord-Attentäter. Der Mann, der sich an einem Eingang des Fußball-Stadions Stade de France in die Luft sprengte, wurde am 3. Oktober in Griechenland registriert, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Im Vorort Saint-Denis entdeckte die Polizei in der am Mittwoch erstürmten Wohnung ferner eine weitere Leiche. Die Staatsanwaltschaft identifizierte die Tote als Hasna Aitboulahcen - nach Medienberichten die Cousine des getöteten mutmaßlichen Drahtziehers der Anschläge mit inzwischen 130 Todesopfern, Abdelhamid Abaaoud. Ein dritter Toter ist noch nicht identifiziert. Der Mann soll sich selbst in die Luft gesprengt haben.


Die Brüsseler Staatsanwaltschaft teilte am Abend mit, dass im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen ein dritter Verdächtiger in Haft genommen worden sei. Ihm werde Beteiligung an einem Anschlag und einer terroristischen Organisation vorgeworfen. Eine weitere Person sei dagegen auf freien Fuß gekommen. In Belgien hatte es in den vergangenen Tagen mehrere Razzien gegeben.


Abaaoud war Belgier mit marokkanischen Wurzeln. Er lebte früher in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek. Abaaoud war am Mittwoch bei dem Eingriff französischer Spezialkräfte in Saint-Denis ums Leben gekommen. (DPA)