Horrornacht in Bangladesch

Der Anschlag potenziert, was Bangladesch bereits seit rund vier Jahren erlebt. Foto: Stringer
Der Anschlag potenziert, was Bangladesch bereits seit rund vier Jahren erlebt. Foto: Stringer

Es ist kein Wunder, dass die «Holey Artisan Bakery» im Herzen von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka ein so beliebter Ort ist, auch bei den vielen Ausländern in der Stadt. Das Restaurant liegt gleich neben einem künstlich angelegten See, wie Fotos und Filmaufnahmen zeigen. Aus einem hell gestalteten Raum gibt eine doppelte Glastür den Blick frei auf eine großzügige Rasenfläche, umrahmt von einem hölzernen Gartenzaun.

 

 

Doch am Freitagabend gegen 21 Uhr (Ortszeit) endet die Idylle jäh. Sieben Attentäter dringen bewaffnet mit scharfen Waffen, Pistolen und automatischen Gewehren in das Gebäude ein. Zeugen erzählen später von Explosionen, die sie gehört haben. Und davon, dass die Männer «Allahu Akbar» (Allah ist groß) riefen.

 

Als knapp zehn Stunden und viele Schusswechsel später mehr als 100 Sicherheitskräfte das Lokal stürmen und sechs der Angreifer töten, beenden sie damit eine der schlimmsten Terrornächte, die das Land in den vergangenen Jahren gesehen hat. Zwei Polizisten sind zu diesem Zeitpunkt schon tot und wahrscheinlich auch mehr als die Hälfte der Geiseln.

 

Nur 13 überleben nach Angaben des Militärs in Bangladesch, 20 von ihnen sterben. Die Angreifer haben während der Nacht viele mit Macheten und Messern regelrecht hingerichtet.

 

Der Anschlag potenziert, was Bangladesch bereits seit rund vier Jahren erlebt. Seit Anfang 2013 leidet das muslimische Land mit rund 160 Millionen Einwohnern unter einer Serie islamistisch motivierter Anschläge. In mehr als 50 Fällen brachten meist unbekannte Täter Religionskritiker, Intellektuelle und Angehörige religiöser Minderheiten um. Auch gegen ausländische Staatsbürger wurden schon Anschläge verübt - zuletzt im Oktober 2015 gegen den Japaner Kunio Hoshi, der auf einer Farm in Nordbangladesch arbeitete.

 

Bangladeschs Premierministerin Sheikh Hasina rief am Samstag in einer Fernsehansprache ihr Land zur Einigkeit angesichts der Bedrohung auf: «Wir werden keinen Akt des Terrorismus in Bangladesch dulden.»

 

Eines sagte sie jedoch nicht: Die Namen der Terroristenvereinigungen Islamischer Staat (IS) oder Al-Kaida. Dabei hatte erst kurz vor ihrer Ansprache die US-Terrorbeobachtungsstelle Site mitgeteilt, der IS habe die Verantwortung für die Geiselnahme übernommen.

 

Dieses Verhalten hat System. Zu vielen der Attentate der vergangenen Jahre bekannten sich islamistische Organisationen wie Al-Kaida und IS oder lokale Organisationen, die mit ihnen verbunden sind. Trotzdem bestreitet die Regierung in Dhaka weiterhin, dass der IS in Bangladesch aktiv sei und macht örtliche Extremistengruppen und die Opposition für die Anschläge verantwortlich.

 

Vor zwei Wochen hatte die Polizei in einer umstrittenen Aktion landesweit mehr als 12 000 Menschen in einem Großeinsatz gegen Extremismus festgenommen. Trotzdem gehen die Anschläge weiter. Erst am Freitagmorgen töteten mutmaßlich islamistische Attentäter einen Mitarbeiter eines Hindu-Tempels im Jhenaidah-Distrikt.

 

Als die Sicherheitskräfte am Samstagmorgen mit ihrem Angriff begannen, waren die Geiselnehmer vorbereitet. In einem letzten großen Feuergefecht leisten die Terroristen fast eine Stunde lang Widerstand - bis ein gepanzertes Fahrzeug eine der Begrenzungsmauern des Restaurants niederreißt. Seit Samstag ist die «Holey Artisan Bakery» kein einladender Ort mehr. (DPA)