30 Jahre CeBIT: Die Messe, die sich immer wieder neu erfand

Die CeBIT blickt in diesem Jahr auf eine 30-jährige, bewegte Geschichte zurück. Foto: Holger Hollemann
Die CeBIT blickt in diesem Jahr auf eine 30-jährige, bewegte Geschichte zurück. Foto: Holger Hollemann

Die Digitalisierung durchdringt heute alle Bereiche des Lebens und Arbeitens. Kein Industriezweig und kein Unternehmen bleiben von dem Umbruch unberührt. Unter dem Messe-Motto «d!Conomy» will die CeBIT die großen Trends und drängendsten Fragen in diesem Jahr zum Thema machen - und sich damit einmal mehr neu erfinden. In Sachen Neuerfindung kann die CeBIT mit ihrer wechselvollen Geschichte auf eine reiche Erfahrung zurückblicken.

 

 

Vor 30 Jahren begann der lange als unaufhaltbar erscheinende Aufstieg der CeBIT in Hannover zur weltweit größten Leitmesse für Computertechnik. Die CeBIT wurde 1986 erstmals als eigenständige Veranstaltung für Büro- und Informationstechnik von der Hannover Messe ausgegliedert. Ihre Premiere wurde jedoch gleich von einem Todesfall überschattet: Computer-Unternehmer Heinz Nixdorf brach auf einer rauschenden Messe-Party am 17. März auf der Tanzfläche mit einem Herzinfarkt zusammen und starb.

 

Dem 60-Jährigen war eine große Karriere gelungen. Mitte der 80er Jahre galt die Nixdorf Computer AG als viertgrößter Computerhersteller Europas. An den Personal Computer glaubte Nixdorf indes bis zuletzt nicht - was sich als eklatante Fehleinschätzung erwies. So soll er sogar eine Zusammenarbeit mit einer kleinen Firma aus dem Silicon Valley für die Lizenz-Produktion von Computern ausgeschlagen haben: Von der Erfindung des Pioniers Apple hielt er nichts.

 

Zehn Jahre nach Nixdorfs Tod, 1996, war bereits Microsofts Windows 95 etabliert. Ein Jahr zuvor stimmte Firmengründer Bill Gates in Hannover auf der CeBIT auf das neue Zeitalter des Betriebssystems ein. Das Internet befand sich allerdings noch in den Kinderschuhen. Auf der CeBIT 1996 senkte T-Online den Preis für den Netzzugang erheblich - nur noch 5 Pfennig sollte die Minute kosten. Als Zugangsanbieter standen noch Unternehmen wie AOL Bertelsmann Online, CompuServe und Germany.net bereit.

 

Zu den Highlights der CeBIT gehörten vor 20 Jahren auch die Netz-Computer von Oracle und Sun Microsystems. Sie sollten als schlanke Terminals innerhalb eines leistungsfähigen Netzwerks eine neue Ära des Personal Computers einläuten. Was sich heute als smarte Lösung anhört, entwickelte sich damals jedoch zum totalen Flopp - vermutlich, weil das Konzept seiner Zeit weit voraus war und die nötigen Netzkapazitäten noch längst nicht verfügbar waren.

 

Mit dem Siegeszug der Personal Computer schwoll auch der Besucherstrom der privaten Messebesucher nach Hannover kontinuierlich an. Schon 1996 versuchte die CeBIT, den großen Ansturm zu stoppen und stattdessen die Profis und Fachbesucher ins Visier zu nehmen. Die Eintrittspreise wurden von 32 auf 50 DM erhöht. Nach etwa 750 000 CeBIT-Besuchern im Boomjahr 1995 kamen ein Jahr später noch rund 600 000 Menschen nach Hannover.

 

2006 zog es noch 450 000 Menschen auf die Messe, immerhin 85 Prozent von ihnen Fachbesucher. Spätestens nach dem Umzug der Mobilfunkmesse Mobile World Congress von Cannes nach Barcelona im selben Jahr wuchs jedoch auch die Konkurrenz unaufhörlich an. Heute nehmen auch PC-Hersteller neben ihren Tablets und Smartphone ihre neuesten Notebooks wenige Wochen vor der CeBIT mit nach Barcelona. Auch die IFA in Berlin geriet immer deutlicher in Konkurrenz mit der CeBIT, insbesondere nachdem sie den Zwei-Jahres-Rhythmus aufgab und zur jährlichen Messe Anfang September wurde.

 

In den Jahren zuvor zeigte die CeBIT immer wieder ein sehr gespaltenes Verhältnis zur Unterhaltungselektronik, die immer mehr Aussteller nach Hannover mitbrachten. Das beschwor einen Konflikt unter den Ausstellern herauf.

 

Microsoft und Sony nutzten die Messe in Hannover zum Beispiel, um ihre Spielekonsolen Xbox und Playstation zu zeigen. Der schrille Rummel um die Daddelkisten war traditionellen Ausstellern ein Dorn im Auge. Die Idee, der Unterhaltung mit der CeBIT Home oder der Sonderschau «digital living» eigene Flächen zu bieten, erwies sich nicht als erfolgreich. Seither ist die Messe um ihr Profil bemüht. Geschäftsanwendungen sollen wieder in den Mittelpunkt rücken.

 

2014 läuteten die Macher eine fundamentale Neuausrichtung als reine Geschäftsmesse ein. Vergangenes Jahr zog die CeBIT noch 201 000 Besucher an. In diesem Jahr wollen die Veranstalter auch das Konzept als Computermesse auf den Prüfstand stellen. Die CeBIT solle mehr ein Stelldichein der Branche sein - mit wachsender politischer Komponente, erklärte Messe-Chef Oliver Frese. «Die CeBIT ist die weltweit wichtigste Veranstaltung für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft», versicherte er zum Auftakt am Sonntag. (DPA)