Grammys 2016: Wird es diesmal endlich das Jahr des Rap?

Kendrick Lamar will bei der Grammy-Verleihung groß abräumen. Foto: Simon Laessoee
Kendrick Lamar will bei der Grammy-Verleihung groß abräumen. Foto: Simon Laessoee

König der Nominierten ist er schon. Mit überragenden elf Gewinnchancen geht der Rapper Kendrick Lamar in die Verleihung der Grammys am Montag (15. Februar, Nacht zum Dienstag MEZ) in Los Angeles. Auch in zwei der vier Königskategorien ist der 28-Jährige nominiert, mit «To Pimp a Butterfly» für das «Album des Jahres» und mit «Alright» für den «Song des Jahres». Zum ersten Mal seit 2004 würde ein Rapper die Album-Kategorie gewinnen und die Song-Kategorie zum ersten Mal überhaupt.

 

 

«Ich will sie alle gewinnen», sagte Lamar jüngst schon der «New York Times». «Das wäre dann nämlich nicht nur eine Botschaft für mich, sondern auch für meine Kultur.» Auch wenn sich die Musik von Lamar und seinen Rap-Kollegen blendend verkauft, die Recording Academy, die die wichtigsten Musikpreise der Welt vergibt, hat den Musikstil Experten zufolge bei den Ehrungen der vergangenen Jahre stets benachteiligt. Wird Nominierungs-König Lamar also auch wirklich der große Sieger der 58. Grammy-Gala werden?

 

Es dürfte wie jedes Jahr einige Überraschungen bei der selbsternannten «großartigsten Nacht der Musikbranche» geben, nie dagewesene Show-Elemente - und natürlich Stars, Stars und noch mehr Stars.

 

Die Popsängerin Taylor Swift und der kanadische Sänger The Weeknd sind jeweils für sieben Preise nominiert, Swift sogar gleich in drei Königskategorien. Die bereits siebenfache Grammy-Gewinnerin könnte sowohl den Preis für den Song des Jahres («Blank Space») als auch für das Album des Jahres («1989») und die Aufnahme des Jahres (wieder «Blank Space») gewinnen. Beim Video des Jahres und der «Best Pop Solo Performance» ist sie ebenfalls dabei. Im vergangenen Jahr war der Brite Sam Smith der große Sieger der Grammy-Verleihung gewesen.

 

Preischancen haben in den insgesamt mehr als 80 Kategorien diesmal zum Beispiel auch Ed Sheeran, D'Angelo, Alabama Shakes - und viele Deutsche, allerdings fast ausschließlich in den Klassik-Kategorien.

 

So könnte eine Puccini-Einspielung mit dem deutschen Tenor Jonas Kaufmann ebenso gewinnen wie Beethovens «Missa Solemnis» vom Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks. Orchester und Chor der Deutschen Oper in Berlin sind für ihre Aufnahme der Oper «Jenufa» von Leos Janacek nominiert. Manfred Eicher könnte «Produzent des Jahres» im Bereich Klassik werden und der in Frankfurt geborene Hans Zimmer einen Grammy für die Filmmusik von «Interstellar» gewinnen. Über die Vergabe der goldenen Grammophone entscheiden rund 13 000 Musikexperten aus der Branche.

 

Sängerin Gwen Stefani will während der zum fünften Mal in Folge von Rapper LL Cool J moderierten Gala erstmals überhaupt live im Fernsehen ein Musikvideo produzieren, und zwar für ihre neue Single «Make Me Like You». Auftreten sollen auch Travis Barker, James Bay, Lionel Richie, Demi Lovato, Justin Bieber, die Besetzung des Broadway-Erfolgsmusicals «Hamilton», Alice Cooper, Johnny Depp, Pitbull, Rihanna, Skrillex, Robin Thicke und Carrie Underwood.

 

Lady Gaga will mit ihrer Show an den vor wenigen Wochen an Krebs gestorbenen Popstar David Bowie erinnern, und die verbleibenden Bandmitglieder der Eagles an ihren gerade gestorbenen Sänger Glenn Frey.

 

Auftreten soll auch Pop-Diva Adele, die gerade mit ihrem Album «25» weltweit Rekorde bricht. Dass sie trotzdem nicht nominiert ist, liegt an den bürokratischen Formalitäten der Grammys: Nur zwischen dem 1. Oktober 2014 und dem 30. September 2015 veröffentlichte Musik ist für eine Nominierung zugelassen. «Sie müssen also bis 2017 warten», kommentierte das «Time»-Magazin, «bis Adele bei der Show wieder abräumen wird». (DPA)