Mutter von erschossener Elfjähriger: Täter soll sich stellen

Am Montagabend gedachten die Einwohner in Oberaurach gemeinsam des Opfers. Foto: Nicolas Armer
Am Montagabend gedachten die Einwohner in Oberaurach gemeinsam des Opfers. Foto: Nicolas Armer

Zum ersten Mal darf die Elfjährige ohne ihre Eltern Silvester verbringen, doch die Feier im Freien endet für die Fünftklässlerin tödlich: Sie stirbt durch einen Kopfschuss. Auch am Montag hat die Polizei noch keine heiße Spur. Dafür wendet sich die Mutter des Mädchens mit eindringlichen Worten an den oder die Täter. «Er wird bis zum Ende seines Lebens auf jeden Fall meine Tochter auf dem Gewissen haben. Das einzige Gute, was er tun kann: Er soll sich stellen», sagte die Frau in einem Interview.

Das Mädchen war zum ersten Mal allein in der Silvesternacht unterwegs, wie die Mutter mehreren Medien erzählte. «Sonst war sie immer mit uns.»

 

Das Mädchen war im unterfränkischen Oberaurach (Landkreis Haßberge) eine Stunde nach Mitternacht beim Feiern auf der Straße in einem Wohngebiet von einem Projektil aus einer Kleinkaliberwaffe am Kopf getroffen worden. Sie brach bewusstlos zusammen und starb wenige Stunden später im Krankenhaus. Nach Angaben der Polizei ist offen, ob es sich um ein vorsätzliches oder ein fahrlässiges Tötungsdelikt handelt. «Wir arbeiten die Hinweise aus der Bevölkerung nach und nach ab und arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung des Falles», sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken am Montag.

 

Kurz vor dem tödlichen Schuss in den Kopf habe ihre Tochter sie noch angerufen und erzählt, wie viel Spaß sie habe und wie glücklich sie sei, schilderte die Mutter in den Interviews. «Und dann habe ich nichts mehr gehört.» Wenig später habe sie einen Anruf bekommen, dass ihre Tochter hingefallen sei und im Krankenhaus liege. Erst dort sei ihr das Ausmaß der Gefahr bewusstgeworden. Nach einer mehr als fünfstündigen Operation sei klar gewesen, dass das Mädchen ums Überleben kämpfe.

 

Ein Kampf, den das Kind wenig später verlor. Die Kriminalpolizei Schweinfurt hat mittlerweile die Sonderkommission «Unterschleichach» gegründet. Dieser gehören rund 50 Beamte und zwei Gutachter des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) an. Die beiden LKA-Gutachter sollen unter anderem anhand der Wunde die Richtung bestimmen, aus der der tödliche Schuss gekommen war. «Ob es ein Querschläger gewesen sein könnte, ist offen. Da können wir noch nichts Belastbares sagen», erläuterte der Polizeisprecher.

 

In den kommenden Tagen werden die Ermittler an zahlreiche Türen in der Region klopfen: «Wir überprüfen die Menschen in der näheren Umgebung, die eine Waffenbesitzkarte haben», sagte der Sprecher weiter. Die zu kontrollierenden Personen würden derzeit noch mit den Landratsämtern abgestimmt. Auch müsse der konkrete Radius für die Überprüfungen noch festgelegt werden. Eine Waffenbesitzkarte muss jeder haben, der eine Waffe daheim hat. Wer sie auch in der Öffentlichkeit führen will, braucht einen Waffenschein.

 

Am Montagabend gedachten die Einwohner in Oberaurach gemeinsam des Opfers. «Es ist bei uns im Ort so üblich, dass wir, wenn jemand stirbt, einen Rosenkranz beten», erläuterte die dritte Bürgermeisterin Sabine Weinbeer. «Und wenn so etwas Schreckliches passiert, dann verlangt es die Menschen auch danach, Gemeinschaft zu zeigen. Deshalb haben wir zum Rosenkranzgebet eingeladen, und das ist auch dankbar angenommen worden.»

 

Knapp 70 Menschen hätten an dem Gedenken in der Kapelle des Ortsteils Unterschleichach teilgenommen und seien dann in einer Lichterprozession zum Unglücksort gezogen. Dabei kannten sie die Elfjährige aus dem Landkreis Bamberg nicht persönlich. «Sie hat ja nicht hier gewohnt, sie war ja nur zu Besuch», erläuterte Weinbeer.» (DPA)