Weltklimavertrag steht: Wendepunkt für Politiker und Investoren

Geschafft: Die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz feiern den erfolgreichen Abschluss. Foto: Christophe Petit Tesson
Geschafft: Die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz feiern den erfolgreichen Abschluss. Foto: Christophe Petit Tesson

Jubel in Paris: Nach zweiwöchigen Verhandlungen haben sich nahezu alle Staaten der Welt auf einen historischen Klimaschutz-Vertrag geeinigt. Das verbindliche Abkommen wurde von Umweltschützern überwiegend positiv aufgenommen. «Wir haben heute alle zusammen Geschichte geschrieben», sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem «monumentalen Erfolg für die Völker des Planeten». US-Präsident Barack Obama sagte, der Vertrag sei die «beste Chance, den einen Planeten zu retten, den wir haben».

Viele Delegierte, die jahrelang für das Abkommen gekämpft hatten, fielen einander am Samstagabend in Paris gerührt in die Arme.


Hendricks ging davon aus, dass der Vertrag auch ein klares Signal an Investoren sei, nicht mehr auf fossile Energieträger zu setzen. US-Außenminister John Kerry sagte, das Abkommen werde eine «Botschaft an die internationalen Märkte» senden. Investoren würden nun verstärkt auf erneuerbare Energien setzen.


Auch viele Umweltschützer werteten den Vertrag als «starkes Signal» zur Abkehr von den fossilen Energien. Sie hätten sich aber konkretere Verpflichtungen für die einzelnen Staaten und noch mehr Unterstützung für Entwicklungsländer gewünscht. Christoph Bals von Germanwatch meinte: «Dass sich alle auf einen Pfad zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas begeben, bedeutet einen Wendepunkt in der Klimageschichte.»


Zentrales Ziel der 195 Länder ist es, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen - und wenn möglich sogar auf 1,5 Grad. Allerdings werden die nationalen Klimaziele weiterhin von den einzelnen Ländern selbst festgelegt. Und bislang reichen die vorliegenden Zusagen nicht aus, um den Klimawandel auf ein erträgliches Maß zu begrenzen.


Anders als bisher ist der Abbau von Treibhausgasen künftig Aufgabe aller Staaten und nicht nur der Industrieländer. Laut Vertrag soll der Ausstoß von Treibhausgasen möglichst bald sinken. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen dann nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als an anderer Stelle - zum Beispiel durch Neuanpflanzung von Wäldern - absorbiert werden können.


Umweltministerin Hendricks betonte, die Vertragsstaaten müssten ab 2020 alle fünf Jahre neue Klimaschutzpläne vorlegen, «die so ambitioniert wie irgend möglich sein müssen». Außerdem müsse jedes Land über seine Emissionen berichten, «damit die Fortschritte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch der Realität entsprechen». Die SPD-Ministerin betonte, die deutsche Delegation habe das Abkommen «entscheidend mitgeprägt». Der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, sagte: «Deutschland hat sich sehr gut dargestellt.»

Er forderte, die Klimaziele müssten jetzt schnell freiwillig erhöht werden, und zwar auch in Deutschland und in der EU. Schellnhuber erklärte: «Wenn Ministerin Barbara Hendricks sagt, wir wollen das 1,5-Grad-Ziel unterstützen, dann muss sofort der deutsche Klimaschutzplan nachgebessert werden. Dann muss man alles darin noch mal auf den Prüfstand stellen.»


Kritik kam vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Dessen Vorsitzender Hubert Weiger sagte, das Abkommen liefere «keine angemessenen Antworten auf die Klimakrise». «Die Diskrepanz zwischen dem in Paris vereinbarten Temperaturziel und der tatsächlichen Klimapolitik der Staaten ist riesig.» (DPA)