Wolfsburg schreibt gegen ManUnited Clubgeschichte

Naldo machte mit seinem zweiten Treffer den Sieg gegen ManUnited perfekt. Foto: Julian Stratenschulte
Naldo machte mit seinem zweiten Treffer den Sieg gegen ManUnited perfekt. Foto: Julian Stratenschulte

Naldo hat den VfL Wolfsburg mit einem Doppelpack erstmals ins Achtelfinale der Champions League geschossen, Manchester United um Bastian Schweinsteiger bleibt nur die Europa League. Nach dem furiosen 3:2 (2:1)-Erfolg des Pokalsiegers verpassten die fußballerisch enttäuschenden Engländer erstmals seit vier Jahren wieder die K.o.-Runde der Königsklasse. Nach dem Spiel durften viele Zuschauer die Arena aus Sicherheitsgründen zunächst nicht verlassen, weil auf einem Parkplatz vor dem Stadion ein verdächtiger Gegenstand gefunden worden war.

Die Zuschauer sollten auf ihren Plätzen bleiben, Ruhe bewahren und weitere Anweisungen abwarten. Gegen 23.30 Uhr gab die Polizei dann Entwarnung.


Naldo (15./84. Minute) und Vieirinha (29.) hatten dem VfL mit ihren Toren zuvor den Gruppensieg gesichert. «Heute ist er mein Lieblingsspieler», sagte Manager Klaus Allofs über den Mann des Tages. Der Brasilianer selbst befand glücklich: «Ich bin stolz, dass ich zwei Tore gemacht habe, aber ich bin noch stolzer auf die Mannschaft.» Kleiner Wermutstropfen: Naldo wird im ersten Achtelfinalspiel gelbgesperrt fehlen.


Wolfsburg nahm damit Revanche für das Vorrunden-Aus auf den Tag genau vor sechs Jahren gegen United, das derzeit nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Anthony Martial (10.) hatte den englischen Rekordmeister vor 26 400 Zuschauern im ausverkauften Wolfsburger Stadion in Führung geschossen, per Eigentor traf Josuha Guilavogui (82.) unglücklich zum zwischenzeitlichen 2:2.


«Die Mannschaft hat einen hervorragenden Job gemacht», urteilte Trainer Dieter Hecking. «Ich wünsche mir, dass wir die Konstanz aus der Champions League auch in die Bundesliga mitnehmen können.» Zufrieden zeigte sich auch der überragende Draxler: «Wenn man Manchester schlägt, hat man vieles richtig gemacht», urteilte der Nationalspieler und meinte zum größten Erfolg des VfL auf internationaler Ebene: «Die Mannschaft ist reif genug dafür. Wir sind zurecht da, wo wir jetzt sind.»


Neben Wolfsburg qualifizierte sich aus der Gruppe B noch die PSV Eindhoven für die K.o.-Phase; United darf nach der Winterpause dagegen nur noch in der zweiten Liga Europas ran. Die Red Devils präsentierten sich weit entfernt vom angepeilten Status einer internationalen Spitzenmannschaft. Schweinsteiger agierte farblos. Dem Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, von seinem Trainer Louis van Gaal zuletzt bereits arg kritisiert, fehlte es an Präsenz und Durchsetzungsvermögen, nach 69 Minuten wurde er ausgewechselt. Im mittelfeldinternen Duell mit Draxler unterlag er klar.


Besonders vor der Pause bekamen die Fans jede Menge Action zu sehen: Drei Treffer, ein Abseitstor und jede Menge weiterer hochkarätiger Szenen waren Ausdruck von rasanten ersten 45 Minuten. Schon nach drei Minuten eröffnete sich für André Schürrle die Riesenchance zur Führung, als der Nationalspieler völlig frei vor dem United-Tor zum Abschluss kam. Doch der 25-Jährige, der erneut den Vorzug vor Bas Dost erhalten hatte, hämmerte den Ball überhastet in den Himmel.


Die vergebene Möglichkeit rächte sich. Mit der ersten gefährlichen Aktion von ManUnited sorgte Martial für das erste Heim-Gegentor der Wolfsburger in der gesamten Champions-League-Saison. Den größten Anteil am Tor hatte aber Juan Manuel Mata, der den Ball aus dem Mittelfeld heraus fein durch die Wolfsburger Gasse gepasst hatte. Wolfsburg, immer wieder angetrieben vom spielfreudigen Draxler, schockte das kaum. Das prompte 1:1 durch Naldo stärkte das Selbstvertrauen sofort.


Die Tiki-Taka-Szene des Spiels folgte nach knapp einer halben Stunde. Mit einer Körpertäuschung ließ Draxler erst Schweinsteiger aussteigen und fand sich nach einem simplen Doppelpass mit Max Kruse mit einem Mal aussichtsreich im United-Strafraum wieder. Er hätte selbst abschließen können, behielt aber die Übersicht und legte zurück auf den freistehenden Portugiesen Vieirinha - das 2:1.


Ohne den verletzten Luiz Gustavo blieb Wolfsburg vorne gefährlich, Draxler (39.) selbst hätte noch vor der Pause nachlegen können. Hinten allerdings zeigten sich die Niedersachsen nicht immer sattelfest. Beim strammen Kopfball von Marouane Fellaini (27.) rettete Torwart Diego Benaglio; unmittelbar vor der Pause hatte der VfL Glück, dass der Referee ein Abseitstor von Jesse Lingard nach einigem Zögern zu Recht nicht wertete.


Hinten brannte es immer wieder, bei den Wölfen wie bei ManUnited. Erneut ließ Schürrle eine Spitzengelegenheit aus (67.), auch Kruse verfehlte (68.) haarscharf. Es passte zum Spiel, dass es am Ende noch mal hoch her ging: Per Eigentor machte Guilavogui ManUnited wieder Hoffnungen, ehe Naldo per Kopf das Spiel entschied. (DPA)