Jugendliche besinnen sich beim Thema Sex auf alte Werte

Die Studie «Jugendsexualität» hat insgesamt 5750 junge Menschen und deren Eltern über das Sexleben Jugendlicher befragt. Foto: Jörg Lange
Die Studie «Jugendsexualität» hat insgesamt 5750 junge Menschen und deren Eltern über das Sexleben Jugendlicher befragt. Foto: Jörg Lange

Romantische Vorstellungen haben Konjunktur: Jugendliche warten für den ersten Sex auf den richtigen Partner, wie eine neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt. Sexuelle Erfahrungen sind bei deutschen 14-Jährigen demnach eine Ausnahme. Insgesamt sei die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen nicht früher sexuell aktiv als in den vergangenen Jahren, sagte BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss am Donnerstag in Berlin. «Bis 2005 haben sich die sexuellen Aktivitäten nach vorne verschoben.» Inzwischen sei der Trend aber gestoppt, wenn nicht rückläufig.

Ein «Wertewandel» könne der Grund sein, sagte Thaiss bei der Vorstellung erster Ergebnisse aus der Erhebung «Jugendsexualität 2015».


Mit 17 hat demnach mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits Erfahrung mit Sex. Dabei sind insgesamt betrachtet Mädchen früher aktiv als Jungen. Außerdem machen deutschstämmige Jugendliche in fast allen Altersgruppen früher erste Erfahrungen als Altersgenossen mit ausländischen Wurzeln. Zu den Themen Sex, Aufklärung und Verhütung befragt die BZgA seit 1980 vorrangig Jugendliche, seit 2005 auch Jugendliche mit Migrationshintergrund. Einbezogen wurden diesmal 5750 Jugendliche bundesweit.


Seit den ersten Befragungen hat sich das Bewusstsein für Verhütung deutlich verändert: Lediglich acht Prozent der jungen Frauen und sechs Prozent der jungen Männer zwischen 14 und 17 trafen beim ersten Mal keine Vorkehrungen, wie aus der Studie hervorgeht. 1980 machten sich laut BZgA noch 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen keine Gedanken um Kondom, Pille oder andere Verhütungsmittel. Thaiss wertete die Veränderung als «beachtlichen Erfolg».


Noch deutlicher und schneller schrumpfte die Zahl der Nicht-Verhüter bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Verzichtete in dieser Gruppe 2005 noch rund ein Drittel der Jungen auf Verhütung, so war es nun nur noch ein Zehntel. Bei den Mädchen sank der Anteil von knapp 20 Prozent auf 2 Prozent.


Aufgeklärt wird in deutschen Haushalten insbesondere von den Eltern, sagte Thaiss. Aber auch in der Schule begegnet fast jeder Jugendliche dem Thema Sex. Gerade für Jungen und für die Kinder muslimischer Eltern, die das Thema zu Hause eher tabuisierten, seien auch Lehrer wichtige Ansprechpartner.


Welche Themen Jugendlichen heute noch auf den Nägeln brennen? Einer Aufklärungsexpertin zufolge etwa Homo- und Bisexualität. Gleichgeschlechtliches Knutschen sei kein Tabu. «Damit spielen sie. Sie legen sich nicht fest», sagte die Autorin des Aufklärungsbuchs «Make Love», Ann-Marlene Henning.


Die in der Studie beobachtete Sehnsucht nach festen Partnerschaften wertete der Trendforscher Peter Wippermann als Gegenbewegung zum gesellschaftlichen Mainstream mit oft unbeständigen Beziehungen und Ehen. Die Jugend handle, ähnlich wie bei Retro-Trends, nach dem Motto «Wir machen es besser». Ob das gelingt, bezweifle er aber, sagte Wippermann. Die gesamte Studie wird laut BZgA im kommenden Jahr veröffentlicht. (DPA)